Wenn Katzen plötzlich unsauber sind

75% der Verhaltensprobleme sind Unsauberkeit („neben das Kistchen machen“, egal ob Kot oder Urin) und Markierverhalten („Urinspritzen“, „Pinkeln“, „Spritzen“).

Verhaltensprobleme entstehen, wenn wir nicht auf die Grundbedürfnisse der Katzen eingehen. Das heißt, sie hat hohen Stress! Es kann auch sein, dass die Katze erst heute auf einen Lebensumstand reagiert, der gestern aber schon da war. So denkt der Mensch darüber. Tatsache ist jedoch, dass ein gewisser Druck eine Zeit lang von der Katze ausgehalten wird. Nur, irgendwann geht es nicht mehr. Das ist so, als würde man in einer Beziehung leben, die einen unglücklich macht.

Es gibt definitiv keine Protestaktionen bei Katzen!

Was es sehr wohl gibt, sind Ereignisse, die uns Menschen oft darauf schließen lassen: „Ja, wenn ich später nach Hause komme, pinkelt mir meine Katze auf das Sofa.“ Hier sollten Sie überlegen: Warum ist das so? Könnte es vielleicht sein, dass ihre Katze zum Opfer eines Klomobbings durch eine andere Katze wurde und sie es nur eine gewisse Zeit ohne Katzenkisterl aushalten kann?! Oft erzählen mir die Katzenbesitzer Folgendes: Ihre Katze verfolgt sie auf das Menschenklo, wo auch oft das Katzenkisterl steht, „und dann macht sie ihr Geschäft, wenn ich es mache. Die solidarisiert sich so mit mir.“ In Wahrheit ist es aber so, dass diese Katze froh darüber ist, wenn sie mit ihr im gleichen Raum sind und sie dort für das Absetzen von Urin und Kot endlich einmal ihre Ruhe von der anderen Katze hat. Sie sind sozusagen ihr Bodygard am Klo.

Die Häufigkeit des Urinverspritzens und -markierens im Haushalt steigt mit der Anzahl der dort lebenden Tiere, und zwar von zirka 5% im Ein-Katzen-Haushalt bis zu 90% bei Haushalten mit sieben oder mehr Katzen. In jedem Haushalt gibt es eine individuelle Schwelle, ab der es einer Katze zu viel ist. Die Entleerung erfolgt aus einer Stresssituation heraus. Leben zwei besonders unverträgliche Exemplare zusammen, kann diese Schwelle schon bei zwei Tieren erreicht werden. Es kommt auch auf den Charakter der Katze an.

Urinieren Katzen öfters außerhalb des Katzenklos, ist die erste Frage, die es zu klären gilt: Hocken sich die Katzen dabei hin und bildet sich eine Lacke oder stehen sie mit vertikalem Schwanz und es kommt Sprühurin raus oder sind es Stehpinkler. Beim Hinhocken außerhalb des Katzenklos kann es mehrere Ursachen haben. Handelt es sich hier um einen Stehpinkler, der sich einfach nicht hinhockt, muss man ein passendes Katzenklo mit höherem Rand finden.

Dann ist noch zu beachten: Verscharrt die Katze ihr Geschäft oder nicht? Auch dies hat eine Bedeutung! Das Verscharren hat die Funktion, in der Natur nicht von einem Fressfeind gefunden zu werden. Das öffentliche Darlegen der Fäkalien hingegen bedeutet wiederum ein territoriales Verhalten: „Das ist mein Klo!“ Und bitte achten Sie darauf, dass es nicht darum geht, dass Ihnen das Streu optisch gefällt, sondern dass es für die feinen Pfoten ihrer Katze gemacht ist. Es gibt Streu, das würden sie nicht einmal in die Hand nehmen, weil es sticht. Ihre Katze hat aber noch wesentlich zartere Pfoten. Zwischen den Ballen hat sie Tasthaare, die mit Nervenenden verbunden sind: Autsch!

Passieren könnte es allerdings noch, dass ihre Katze einmal Schmerzen hatte im Katzenkisterl. Bedingt durch eine Krankheitsvorfall, wie z.B. Endoparasiten, Blasenentzündung oder Urinsteine oder … Durch den Schmerz wurde sie traumatisiert und verknüpft, obwohl die Krankheit schon längst ausgeheilt ist, das Katzenklo mit Schmerzen. Hier muss man ihr helfen, das zu überwinden.

Selten ist Unsauberkeit das einzige Problem

Wenn Katzen ein medizinisches Problem haben, neigen sie oft dazu, ihr Geschäft außerhalb der Toilette zu verrichten. Dies gilt vor allem bei Kot – meist sehr hartem Kot, denn der ist sehr schmerzhaft für die Katze. Dazu benutzt die Katze meist die von ihr gewählten Orte öfter. Wenn die Krankheit überwunden ist, ist meist auch die Unsauberkeit vorbei.

Auf gar keinen Fall soll man die Katze mit Gewalt auf ihre Toilette zwingen oder sogar dort festhalten. Auch wenn sie möglicherweise davor außerhalb uriniert hat. Dies belastet die Mensch-Tier-Beziehung und hat eine noch größere Aversion der Katze gegen das Katzenklo zur Folge. Des Weiteren darf man die Katze nicht mit der Nase in den Urin tauchen oder womöglich sogar mit ihr schimpfen.

Dauert die Unsauberkeit schon länger an, entwickelt die Katze gewisse Vorlieben für bestimmte Plätze (wie z.B. Teppiche, Parkett, usw.) Dann ist es besonders wichtig, den Fokus wieder auf die Toilette zu richten, indem man diese Plätze für die Katze unattraktiv macht (Plastikfolien, Alufolie) – jedoch haben manche Folien ammoniakhaltige Bestandteile, was die Katze wiederum dazu verführt, weiter dort zu urinieren, denn der Hauptbestandteil von Urin ist Ammoniak.

Urinflecken sollten niemals mit ammoniakhaltigen Reinigungsmitteln saubergemacht werden, da eine Ähnlichkeit zwischen Urin und Ammoniak besteht und die Katze dadurch noch mehr an animiert wird, dort zu pinkeln.

Die Katzentoilette spielt eine große Rolle

Die Katzentoilette ist für die Katze sehr wichtig – die Anzahl der Klos, die richtige Größe und das richtige Einstreu sind besonders bedeutend.

Als Standort für das Katzenklo sollte kein Durchzug dort gewählt werden. Katzen möchten bei der Notdurft ungestört sein. Alles andere wäre ein Stressauslöser.

Die Toilette muss für die Katze leicht erreichbar sein und die Katze muss jederzeit Zugang dazu haben. Wenn die Toilette im Bad oder WC steht, bitte immer die Türe offen halten und dafür sorgen, dass keine Wasserspritze aus Dusche oder aus den Menschen-WC dazu kommen. Das würde eine neuerliche Abneigung gegen das Katzenklo zur Folge haben.

Die Größe des Katzenklos sollte mindestens 40 x 50 Zentimeter betragen. Es gilt allerdings – je grösser, desto besser. Der Handel bietet sogenannte Eck-Klos an – diese sind in der Regel viel zu klein und nicht geeignet. Ob es eine Katzentoilette mit oder ohne Aufsatz sein soll, bestimmt die Katze. Wenn ein Tier gerne sehr lange und viel verscharrt, empfiehlt sich eine Toilette mit Aufsatz. Für große Katzen sind die Aufsätze der Toiletten meist aber nicht hoch genug, denn sie können sich nicht bequem umdrehen oder hocken.

Geschlossene Toiletten riechen natürlich intensiver für die Katze, da der Geruch nicht entweichen kann. Dies ist für manche Katzen sehr unangenehm. Die Toilette sollte mindestens einmal pro Tag gesäubert und regelmäßig gewaschen werden. Die Klapptüren bei den geschlossenen Toiletten stoßen ebenfalls öfter auf negative Rückschlüsse für die Katze. Dies kann man aber gegebenenfalls abnehmen.

Die Einstreu muss so hoch eingefüllt werden, dass die Katze bequem ihre Hinterlassenschaften verscharren kann. Katzen lieben es, zu scharren. Das beste Katzenstreu ist ebenfalls eine von der jeweiligen Katze gewählte Vorliebe. Hier hilft nur testen, testen, testen. Eine Variante wäre, 2 Kisten mit verschiedener Einstreu aufzustellen und die Katze probieren lassen.

Katzentoiletten sollten niemals neben Futter oder Trinkplätzen stehen. Ebenfalls nicht neben Schlafplätzen.

Unsauberkeit ist immer ein Hilferuf der Katze. Die Lebensumstände des Tieres sind nicht in Ordnung, sei es durch Stress, fehlende Harmonie oder Ähnliches.

Ebenfalls muss die Mensch-Tier-Beziehung hinterfragt und verbessert werden, wenn Unsauberkeit vorliegt. Durch falsche Erziehungsmethoden wird die Beziehung meist beeinträchtigt. Die für jedes Tier abgestimmte Spieltherapie hat sich gut bewährt. Sie gibt dem Tier die Möglichkeit Stresshormone abzubauen und Endorphine auszuschütten.

Urinmarkieren

Urinmarkieren ist ein normales Verhalten bei Katzen. Freilebende Katzen markieren für ihre Artgenossen, um ihre Anwesenheit in einem Gebiet zu dokumentieren oder Informationen über den sexuellen Status.

Die Katze markiert mit erhobenem Schwanz und zitternder Schwanzspitze auf eine meist vertikale Fläche. Beim Markieren von horizontalen Flächen hockt sich die Katze auch manchmal nieder. Die Katze benutzt aber weiterhin das Katzenklo.

Manche Katzen werden unsauber, wenn sie andere Katzen nur sehen oder mit ihnen im selben Raum sind, auch das Beobachten von Artgenossen durch das Fenster kann Unsauberkeit auslösen. Statistiken zeigen eine Häufigkeit von Unsauberkeit in Mehrkatzenhaushalten. Die ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass Katzen im Mehrkatzenhaushalt sich gegenseitig Informationen zukommen lassen wollen, denn in der Natur wird es ebenso gemacht, damit die anderen Katzen wissen, dass es in dem Gebiet auch andere Tiere gibt und dass die Gefahr birgt, diesen zu begegnen.

Durch artgerechte Katzenhaltung und die Kenntnis über das Haustier Katze kann die Entstehung vieler Verhaltensprobleme von Anfang an verhindert werden. Falls es dennoch einmal zu Verhaltensproblemen kommt, die Sie selbst nicht lösen können und die den Katzenhalter überfordern, sollte professionelle Beratung und Hilfe her, denn je länger ein Problem besteht, desto schwieriger wird es sein, das Verhalten zu ändern.

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